Tierschutzverein Mechernich e.V.

Den Tieren eine Stimme geben

Bericht im Kölner Stadtanzeiger vom 10.02.2018

Wirbel um "eingeschläferte Hunde"
"Es werden keine Hunde eingeschläfert, weil sie nicht vermittelt werden", stellt Tierheimleiter Reiner Bauer (r.), hier mit dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, klar.

 

Bauer.Schröder.tierheimleitung euskirchen

                                                                                                             Archivfoto: pp  VON MICHAEL SCHWARZ


Empörte Anrufe im Tierheim nach unglücklicher Formulierung in FDP-Antrag

Kreis Euskirchen. Es ist ein einziger Satz, der Reiner Bauer in den vergangenen Tagen einige unangenehme Anrufe beschert hat. "Die Leute fragen mich, warum wir Hunde einschläfern lassen, nur weil wir sie nicht vermittelt bekommen", berichtet der Leiter des Kreistierheims in Mechernich. Andere hätten bereits ihre Spendenbereitschaft für den Tierschutz infrage gestellt. Doch Bauer stellt klar: "Bei uns wird kein Tier eingeschläfert, nur weil es nicht vermittelt werden kann!"

Dieser Klarstellung bedarf es, nachdem die Schleidener FDP einen Antrag in den Rat eingebracht hat, in dem sie eine zweijährige Freistellung von der Hundesteuer für die Bürger fordert, die einen herrenlosen Hund aus einem Tierheim aufnehmen. "Das ist ein sehr guter Vorschlag, den sich auch die anderen Kommunen einmal ansehen sollten", findet Bauer. Einen Anreiz zu schaffen, um den aufgefundenen Hunden eine neue Heimat zu geben - wer sollte da etwas dagegen haben?

Den Antrag könne er im Grunde nur unterstützen, so Bauer. Wenn da nur dieser eine Satz nicht drinstehen würde, der da lautet: "Oft genug müssen nicht vermittelte Tiere eingeschläfert werden."

Genau dieser Satz ließ die besorgten Tierfreunde aufschrecken und bei Bauer anrufen. "Auch von einem Fernsehsender bin ich inzwischen besucht und gefragt worden, ob hier wirklich nicht vermittelbare Tiere eingeschläfert würden", erzählt Bauer. "Natürlich nicht", habe er den Fernsehleuten gesagt.

Wie aber ist dieser ominöse Satz in den Antrag gekommen? Die Schleidener FDP-Politikerin Maf Räderscheidt, die sich seit vielen Jahren im Tierschutz engagiert, schon das eine oder andere gefundene Tier aufgenommen und nun diesen Antrag initiiert hat, ist untröstlich, dass es zu diesem Missverständnis gekommen ist: "Es macht mich immer traurig, wenn Tiere eingeschläfert werden." Zuweilen habe sie auch den Eindruck, dass manche Menschen eher einen "rustikalen Umgang" mit kranken Tieren pflegten. "Damit meinte ich aber keineswegs die Tierheime im Kreis Euskirchen", stellt Räderscheidt klar. Wenn das so rübergekommen sei, tue ihr das sehr leid. Mit dem Antrag wolle die FDP viel mehr die Arbeit der Tierheime unterstützen.

Dafür ist Reiner Bauer auch dankbar. Vielleicht, so der Tierschützer, habe die ganze Aufregung ja auch etwas Gutes, sofern dadurch das Anliegen bekannter werde. Wenn es nämlich gelänge, etwa durch eine zeitliche Aussetzung der Hundesteuer mehr Tiere zu vermitteln, wäre sowohl den Hunden als auch den Tierheimen geholfen - und nicht zuletzt den Bürgern. "Die Unterbringung von Hunden in Tierheimen stellt für den Steuerzahler, Kreis und Kommunen einen nicht unerheblichen Kostenfaktor dar", heißt es denn auch in dem FDP-Antrag. Futter, ärztliche Betreuung, Kastration, Impfung, Chippen, und die Entwurmung seien nur einige der Posten, die anfielen. Dazu kämen noch die Betriebsausgaben des Tierheims mit Gehältern für das Pflegepersonal und die Energiekosten.

"Die Kosten für die ersten 56 Tage, die ein Fundhund bei uns verbringt, trägt das System Kreistierheim", so Bauer (siehe auch "Kreistierheim"). "Ab dann tragen wir die Kosten", so der Tierheimchef. "Aber das tun wir gerne. Wir sind ja schließlich dafür da, die Tiere zu schützen."

Eingeschläfert würden ausschließlich Tiere, um sie von Krankheiten und Qualen zu erlösen. Bauer: "Darüber bestimmen aber nicht wir, sondern ein Tierarzt und das Kreisveterinäramt." Das bestätigte am Freitag auch der Pressesprecher des Kreises Euskirchen Wolfgang Andres: "Ansonsten wäre eine Einschläferung rechtlich nicht zulässig und mit unserem Veterinären auch gar nicht zu machen."
Kreistierheim

Rund 110 gefundene Hunde sind im vergangenen Jahr beim Kreistierheim abgegeben worden. "Bei rund 80 von ihnen haben wir per Chip den Besitzer schnell ausfindig gemacht", berichtet Tierheimleiter Reiner Bauer. Die restlichen Hunde würden dann im Tierheim betreut, finanziert werde ihr Aufenthalt für 56 Tage vom "System Kreistierheim". Das trat am 1. Juni 2014 in Kraft, um die Aufnahme von Fund- und Wegnahme-Tieren zu regeln.

Die Kosten des Systems tragen die elf Städte und Gemeinden im Kreis. 2015 war ein Zuschussbedarf von rund 121 000 Euro angefallen, 2016 waren es rund 150 000 Euro. 2016 hat das Kreistierheim 366 Fundtiere und 50 Tiere im Rahmen der Sicherheitsverwahrung aufgenommen - zumeist Hunde und Katzen. Rund sechs Euro fallen im Schnitt für eine Katze am Tag an, acht Euro für einen Hund. Hinzu kommen unter anderem die Kosten für tierärztliche Betreuungen wie Entwurmungen und Kastrationen. (sch)

In unseren "Info-Archiven 2011, 2012, 2013, 2014 ... und Folgejahre"
finden Sie die älteren Beiträge aus diesem Bereich.